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07.01.10

Unsere besonderen Notfälle

Catrin, Peter und Wolton suchen dringend ein Zuhause


09.11.09

Geboren um zu leiden

Ein Hundeleben in der Gitterbox


03.11.09

Ladenhüter und blinde Passagiere

Junge Hunde bei Retriever in Not/ Liberty for Dogs


14.09.09

Nackthunde in Not

Haarlose Hunde aus Massenzucht befreit


23.06.09

Auf allen Vieren

Ein Wunder für Hinna


Auf allen Vieren - ein Wunder für Hinna

Im Februar wurde Hinna durch Liberty for Dogs von einem Vermehrer übernommen (siehe auch unser Bericht “Weggesperrt, um zu verhungern“ ). Nach einer Durchsicht seiner Bestände hatte der Mann den Tierschützern einige Hunde mitgegeben, die er bereits vor Wochen aussortiert und dann sich selbst überlassen hatte. Die jungen Hunde waren krank oder ließen sich aus anderen Gründen nicht verkaufen, also hatte man sie in einer dunklen Ecke zusammengepfercht und gehofft, dass sich das Problem „von selbst“ erledigt. Kosten für aufwändige medizinische Behandlungen sind im Budget von Massenzüchtern ebenso wenig vorgesehen wie das Geld für den Tierarzt, der die Tiere wenigstens mit einer Spritze von ihrem Elend hätte erlösen können. Also wurden sie nicht mehr gefüttert, nicht mehr versorgt und einfach vergessen.

Als die Tierschützer die kleine Weimaranerin in Empfang nahmen, war sie, wie ihre Leidensgenossen, bereits ziemlich abgemagert und durch hohes Fieber zusätzlich sehr geschwächt. Für ihr Alter war sie viel zu klein. Aber vor allem war ihr rechtes Vorderfüßchen verkrüppelt. Die erste Röntgendiagnose war niederschmetternd und förderte eine pathologische Veränderung des Gelenkwachstums zu Tage, die als eine Folge der äußerst schlechten Haltung, vor allem mangelhafter Ernährung und nicht adäquater Bewegung zu sehen war. Die Wurzelknochen der Pfote waren bei Hinna unterschiedlich stark gewachsen, so dass ihre Längen um bis zu 6 cm differierten, was zu dem geknickten Fußbild führte.

Da sich bei dem jungen Hund die Wachstumsfugen bereits zu schließen begannen, empfahlen die Tierärzte, mit den operativen Maßnahmen nicht allzu lange zu warten. Allerdings konnten sie für den weiteren Verlauf keine großen Hoffnungen machen, der Ausgang der OP sei ungewiss und eine Heilung nicht zu garantieren. Deswegen wurde Hinna in eine Pflegestelle nach Dresden gebracht. Dort sollte die schwierige Operation von einem anerkannten Spezialisten der Tierklinik Dresdner Heide vorgenommen werden.

Die Pflegemutter berichtet von ihren ersten Eindrücken: „Ich hatte im Forum verfolgt, wie Hinna angekommen ist. Halb verhungert mit dem verkrüppelten Beinchen, einfach Elend pur. Ich wollte sie im Auge behalten. Dann wurde eine Pflegestelle für Hinna gesucht mit einer in der Nähe liegenden Spezialklinik. Da ich die Tierklinik Dresdner Heide selbst kenne und wusste, wenn es einer kann, dann Dr. Ingo Pfeil, habe ich mich sofort als Pflegestelle gemeldet. Ich wollte der kleinen Hündin einfach helfen. Am selben Tag noch bekam ich einen Anruf von Liberty for Dogs. Ich wurde gefragt, ob ich mir das auch wirklich zutraue, da es auch mit Einschläfern enden könnte. Es sah nicht gut aus, aber es war Hinnas letzte Chance!“

Kurz darauf konnte die Familie Hinna übernehmen. Trotz der Vorinformation und den Bildern, die sie wie alle RiNler von der kleinen Weimaranerin kannten, waren sie von ihrem Anblick geschockt. Bei ihrer Ankunft wog sie mit ihren 5 Monaten gerade mal 7,4 kg und man konnte die Rippen einzeln zählen. Der kleine ausgelaugte Körper brauchte Ruhe, die quirlige junge Hündin aber wollte die Welt entdecken. Hinna verlangte viel Aufmerksamkeit und ständigen Körperkontakt, weil sie schnell panisch wurde. Sie hatte totale Angst, wieder allein gelassen zu werden. „In der Nacht schläft Hinna im Kennel neben meinem Bett, meine Hand muss aber an ihr Köpfchen, sonst fürchtet sie sich. Sie ist bestimmt ganz allein gewesen.“

Vor der OP
Nach der 1. OP
Nach der 2. OP

Nach ein paar Tagen Eingewöhnung wurde Hinna in der Tierklinik vorgestellt, der Spezialist sah gute Chancen, dass Hinna in absehbarer Zeit, nach einer allerdings sehr aufwändigen Operation, das erste Mal in ihrem Leben auf vier Pfoten gehen könnte. Die Gliedmaßenachse wurde unter Narkose vermessen; es wurden eine Fehlstellung des Radius (Speiche) mit einer zur kurzen Ulna (Elle), ein gebogener, aber noch patenter Radius, und Ulnawachstumsfugen festgestellt. Als Operationsverfahren wurde eine Ulnaosteotomie (Durchtrennung des Ellenknochens) mit Korrektur der Speiche und anschließendem Geraderichten der Gliedmaße vorgeschlagen. Da die Wachstumsfugen noch funktional waren, gingen die Ärzte von nur einer notwendigen OP aus, deren Kosten mit ca. 850 bis 1000 Euro veranschlagt wurden.

Eine Woche später schon wurde die kleine Hinna operiert. Viele RiNler fieberten im Club mit und alle Daumen waren für den kleinen Silberblitz gedrückt. Bei der OP wurde Hinna zur Unterstützung eine Metallplatte in ihr Beinchen eingesetzt. Diese sollte ein paar Wochen später wieder entfernt werden, um während der Wachstumsphase keinen Bruch zu riskieren. Aus dem Bericht der Pflegestelle: „Hinna musste noch einen Tag in der Klinik bleiben, da das Bein stark angeschwollen war und mit Umschlägen versorgt werden musste. Als wir sie endlich wieder nach Hause holen durften, lag ein langer Heilungsprozess vor der kleinen Maus“. Die OP-Wunde war ganze 30 cm lang, der dicke Verband musste alle vier Tage gewechselt werden. Jeden Tag durfte sie dreimal für nur 10 Minuten in den Garten, das gefiel der bewegungsfreudigen Hündin natürlich gar nicht. Sie wusste noch nicht, dass auch ohne Verband in den nächsten Monaten absolutes Spring- und Tobeverbot angesagt sein würde. „Hinna hat die OP weggesteckt, als wärs nix. Aber nicht Hüpfen und Spielen ist ne Strafe für unseren kleinen Floh, man muss sie ständig mit etwas anderem beschäftigen. Nun heißt es, viel Ruhe und Entspannung, damit das Beinchen gut heilen kann. So, wie unser kleiner Floh drauf ist, sind wir sehr zuversichtlich.“

Dann endlich wurden die Fäden gezogen und der Arzt sagte „Lauf zu Frauchen“. Das erste Mal in ihrem Leben lief Hinna auf allen vier Pfoten! Ein bewegender Moment für die Pflegefamilie: „Die Maus ist einfach los gelaufen, der Doc hat gestrahlt und ich war einfach Happy. Es ist wirklich ein kleines Wunder. Alle waren glücklich, die Leute von der Tierklinik, die ihr Baby schon sehr ins Herz geschlossen hatten, der Doc und wir.“ Nach einem Kontroll-Röntgen-Bild konnte Hinna endlich nach Hause, auf allen Vieren!
Das Bein sah alles in allem sehr gut aus, nur die Kraft fehlte noch etwas in dem Fuß. „Das Bein war immer noch sehr heiß und wir haben jeden Tag Quarkwickel gemacht. Es hat geholfen und Hinna fand es lecker, da sie Quark liebt. Der Quark trocknet ja an ihrem Bein, also konnte sie ihn auch alleine abschlecken. Nun heißt es, viel Ruhe und Entspannung, damit das Beinchen gut heilen kann. So, wie unser kleiner Floh drauf ist, sind wir sehr zuversichtlich.“

Hinna hatte nicht nur die gesamte Klinikmannschaft mit ihrer Fröhlichkeit angesteckt, auch die Pflegefamilie konnte sich ein Leben ohne Hinna nicht mehr vorstellen: „Im Nachhinein können wir sagen, uns war schon klar, dass wir sie behalten, als wir das Häuflein Hund übernommen haben.“ Die Familie hat Hinna nach der OP adoptiert. Kurz darauf wurden noch die Metallplatte und die Schrauben entfernt. Der vergleichsweise kleine Eingriff verlief komplikationslos, obwohl die Platte schon stark eingewachsen war.

Trotz der vielen Klinikbesuche ist Hinna ein fröhlicher, kleiner Sonnenschein geblieben.
„Wir hatten viele schlaflose Nächte mit und wegen Hinna, die sich aber letztendlich gelohnt haben. Aber ohne RiN/LfD hätte unsere Hinna nicht überlebt. Hinna dankt es uns jeden Tag mit ihrer Liebe, sie ist ein glückliches Hundekind, das viel nachzuholen hat. Sie wiegt jetzt 21 Kg und ist nur am Springen und Rennen.“ Hinna hat sich zu einer kleinen, wilden und frechen Hummel verwandelt. Sie merkt, dass ihr Pfötchen jeden Tag besser funktioniert. Die Zeit vor der OP erscheint ihr einfach nur wie ein böser Traum. „Nun kann unsere Hinna wie andere Hunde laufen, spielen und spazieren gehen. Am Samstag geht Hinna das erste Mal in die Hundeschule, bei unserer Kleinen wird es jetzt höchste Zeit.“